Und schon wieder haben wir eine kleine, nicht eingeplante Ehrenrunde hinter uns. Aber wie unser Reisefreund Udo so schön zu sagen pflegt „Planung ist gut, Änderung ist alles“. Nach der ersten Nacht in Cusco auf einem Parkplatz, haben wir uns, nachdem wir Gonna und Helmie (2 in Cusco lebende Holländer) kennengelernt hatten, gleich für eine Weile auf der schönen Wiese in deren Garten einquartiert (home.hccnet.nl/helmie.paulissen). Nach und nach trödelten alt-bekannte Gesichter von Ushuaia und unterwegs ein, so dass wir zu Spitzenzeiten 11 Fahrzeuge zählten und pünktlich zur Sonnenwende-Feier der Inkas (Inti Raymi) gemeinsam den neu-eröffneten Campingplatz „Quinta Lalla“ einweihen konnten. Zwischenzeitlich machten Michel und ich mit Udo und Birgit noch eine kleine Rundtour durch das heilige Tal der Inkas. Wir besuchten ein paar sehr beeindruckende Inka-Stätten, wobei wir einiges über deren Kultur und Architektur erfahren konnten. Daraufhin entschlossen wir uns, mit Udo und Birgit, Roger und Corinna zu den Ruinen von Choquequirau zu wandern. Also packten wir unsere Rucksäcke (diesmal waren wir die, mit den Leichtesten, obwohl wir sie nicht mal selber tragen mussten), engagierten einen Arriero (Eseltreiber) mit 3 Mulis und los ging es, auf die 5-tägige Wanderung. Die doch recht anstrengende Wanderung führte uns durch bezaubernde und spektakuläre peruanische Gebirgslandschaft. Wir hätten ja nie geglaubt, dass peruanische Berge so steil sind! Die Strapazen haben sich aber allemal gelohnt, vor allem, wenn man ein so beeindruckendes Ziel anstrebt, wie die gewaltige Inka-Stadt Choquequirau. Bis zum heutigen Tag wurden jedoch erst 15% der Ruinen vom Urwald freigelegt. Archäologen, Vermesser und Handwerker werden für viele Jahre dort beschäftigt sein.
Wieder zurück in Cusco, ruhten wir uns 2 Tage von der Wanderung aus und genossen nochmals die wunderschöne und sehr faszinierende Stadt, um uns dann auf den Weg zu machen, in Richtung Titicacasee. Noch kurz vor Puno, besuchten wir mit Michèle und Reto (aus dem Kanton Schwyz) die Grabtürme von Sillustani und daraufhin die Schilfinseln der Uro-Bevölkerung im Titicacasee. Das hat uns sehr beeindruckt. Wir verbrachten einen halben Tag auf einigen dieser kleinen, schwimmenden Inseln und konnten somit einen kleinen Einblick gewinnen, wie die Bevölkerung seit Jahrhunderten schon dort lebt. Obwohl dies nicht mehr so authentisch ist, da die Einwohner heute vor allem noch vom Tourismus leben.
In Puno vernahmen wir dann, dass in Teilen Perus Strassenblockaden stattfinden (hatten wir das nicht schon mal?), so auch um die Stadt Tacna, über welche wir nach Arica (Chile) fahren wollten. Da planten wir vor allem hin zu gehen, um dem Büssli in der Freihandelszone neue Reifen zu kaufen. Nun gut, flexibel wie man ist, fuhren wir vom Titicacasee aus, über Copacabana, nach La Paz (Bolivien). Dort hat sich mittlerweile die Situation beruhigt und man kann momentan wieder ungehindert das Land bereisen. Beim Ausreisen aus Peru wollte uns die Polizei das Leben schwer und unser Portemonnaie um 61 Soles (ca. 20 CHF) leichter machen. Sie meinte, sie könne uns eine Strafzettel erteilen, da wir nicht, beim an dem Grenzübergang stehenden Stoppschild angehalten hätten, sondern erst 3 Meter weiter bei der Abschrankung. Aber nicht mit uns! Natürlich bezahlten wir nicht. Man stelle sich aber vor, wenn man sich in der Schweiz weigern würde, eine Busse zu bezahlen...Obwohl, da sind die Polizisten auch nicht so korrupt, oder? In dem gemütlichen Riviera-Städtchen Copacabana verbrachten wir 2 Tage beim direkt am See liegenden und sehr einladenden Hotel Chasqui de Oro (Parkplatz im Innenhof). Da trennten sich dann auch die gemeinsamen Wege von uns und Michèle und Reto. Und schon wieder hatten wir eine „lustige“ Begegnung mit einem Polizisten (die bolivianischen sind auch nicht besser, von wegen „dein Freund und Helfer“). Der verlangte beim Verlassen des Städtchens, als wir den Wegzoll bezahlten, eine Gebühr für das Registrieren unseres Fahrzeugs (Auto-Nr., Farbe, Automarke). Da er uns dafür keine Quittung geben wollte, stellten wir uns quer und fuhren ohne zu bezahlen davon. Obwohl es in Peru und Bolivien fast an der Tagesordnung liegt, sich mit den Polizisten zu streiten, können wir uns als brave Schweizer nicht so recht damit anfreunden.
In La Paz angekommen, suchten wir sogleich Ernesto Hug’s Werkstätte auf (DER Automechaniker in Südamerika), um unser Büssli wieder mal in fachmännische VW-Obhut zu geben und gewisse Dinge durchchecken zu lassen. Allerdings gab es bis dahin nicht viel zu tun, da alles einwandfrei war. Wir konnten in Ernestos Werkstatt nächtigen und somit getrost die aufregende Grossstadt besichtigen. Sehr faszinierend fanden wir die Verschmelzung der modernen Metropole mit der traditionellen indigenen Welt. Die ganze Innenstadt gleicht einem riesigen, bunten Markt, wo man alles mögliche kaufen kann, vom getrockneten Lama-Fötus bis zur Digitalkamera. Irmi und Georg suchten mit ihrem Fahrzeug ebenfalls die Werkstätte von Ernesto auf, so dass wir uns dann zu 4. wieder mal ein leckeres chinesisches Essen gönnten.
Nach beinahe einer Woche Grossstadtleben zog es uns wieder in die Natur, und zwar in den Nationalpark Sajama. Dort verbrachten wir 2 Nächte, bei welchen wir zitterten, ob unsere Standheizung anspringen wird (auf ca. 4300 m.ü.M.). So genossen wir dann warme Nächte und wunderschöne Tage, umgeben von herrlichen Vulkanen, Geysiren, Thermalquellen und vielen, vielen Lamas und Vicuñas. Danach fuhren wir über die Grenze nach Chile, passierten den Nationalpark Lauca und kamen dann endlich, endlich, wieder auf Meereshöhe in mildere Gegend, nach Arica. Wie es das Gesetz von Murphy will, tauchten nun auf dem Weg hierher Probleme mit dem Büssli auf (zu hohe Drehzahl beim Leerlauf und defekter Sensor des Oeldrucks). Somit suchten wir als erstes wieder einen VW-Spezialisten auf, welcher uns sehr kompetent und hilfsbereit zur Seite stand (Calvo Autos, Ricardo Calvo Prandi, Sta. Maria 2593, Arica). Am Strand von Arica gab es ein freudiges Wiedersehen, mit Christine und Jürgen. Nun geniessen wir seit ein paar Tagen das Leben in dieser Hafenstadt und am Pazifik. So lässt es sich gut 4 Tage auf die neuen Reifen für das Büssli warten, die extra aus Santiago bestellt werden müssen.
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